Wer an Sommerstrick denkt, denkt vermutlich zuerst an Baumwolle oder Leinen. Doch muss ein Garn für die warme Jahreszeit immer aus reinen Pflanzenfasern bestehen? Nicht unbedingt: Auch Mischgarne mit Merinowolle oder Seide und sogar feines Kaschmir kommen in immer mehr aktuellen Sommerdesigns zum Einsatz.
Denn ob sich ein Strickstück an warmen Tagen angenehm tragen lässt, hängt nicht allein von der verwendeten Faser ab. Auch die Garnstärke, die Festigkeit des gestrickten Stückes, das Muster und der Schnitt des Designs spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig bringen die verschiedenen Materialien ganz unterschiedliche Eigenschaften mit: Manche fühlen sich kühl und trocken an, andere fallen besonders weich, behalten ihre Form besser oder helfen die Körpertemperatur auszugleichen.
In diesem Beitrag nehmen wir verschiedene Sommergarne genauer unter die Lupe, vergleichen ihre Eigenschaften und ihr Verhalten im fertigen Strickstück und zeigen euch, worauf ihr bei der Pflege achten solltet. Ausserdem haben wir einige Projektideen für euch gesammelt, die beweisen: Sommerstrick besteht nicht nur aus filigranen Tops und Nadelstärke 2.5 mm. Von luftigen Shirts über Röcke und Shorts bis hin zu Taschen aus Raffia-Garn oder Jute gibt es auch für warme Tage jede Menge zu stricken (und zu häkeln!).
Was macht ein gutes Sommergarn aus?
Ein Sommergarn sollte sich angenehm auf der Haut anfühlen, Feuchtigkeit aufnehmen können und nicht unnötig viel Wärme stauen. Doch auch der Fall und die Elastizität des Gestricks sind entscheidend. Während sich für ein locker geschnittenes Top ein weiches, fliessendes Garn anbietet, benötigen körpernahe Designs etwas mehr Formstabilität. Für Taschen und Hüte darf das Material wiederum fest und beinahe unelastisch sein.
Das perfekte Sommergarn für alle Projekte gibt es deshalb nicht. Vielmehr lohnt es sich, vor der Auswahl zu überlegen, wie das fertige Strickstück aussehen, fallen und getragen werden soll!
Wer sich ein besonders weiches Ergebnis wünscht, kann beispielsweise zu Pima-Baumwolle greifen, die für ihre feinen, langen Fasern und ihr angenehmes Hautgefühl bekannt ist. In unserem Sortiment findet ihr sie unter anderem in Rauma Petunia und Camarose Okologisk Pimabomuld. Auch Sandnes Mandarin Petit ist ein feines, angenehm weiches Baumwollgarn für sommerliche Projekte.
Leinen fühlt sich kühl und trocken an und wird mit jedem Waschen und Tragen weicher. Diese Faser besitzt wenig Elastizität und kann anfangs etwas fest oder rustikal wirken, entwickelt mit der Zeit aber einen schönen, natürlichen Fall. Beispiele aus unserem Sortiment sind Lang Yarns Crealino sowie die Leinenmischungen Majo Sunny Linen, Sandnes Line (oder Sandnes Tynn Line) und Gepard Hor Silke. Bei der Hor Silke empfiehlt Gepard Garn, das fertige Strickstück etwa einen Tag lang in klarem Wasser einzuweichen. Dadurch wird das zunächst etwas feste Garn deutlich weicher und erhält seinen charakteristischen, lässigen Fall. Für die Crealino empfiehlt Lang Yarns zudem sogar explizit Weichspüler zu verwenden.
Wer sich ein besonders weich und fliessend fallendes Ergebnis wünscht, kann zu Seide greifen. Sie wirkt temperaturausgleichend und fühlt sich angenehm auf der Haut an, besitzt jedoch ebenfalls wenig Rücksprungkraft. Bei schwereren Kleidungsstücken sollte deshalb berücksichtigt werden, dass sich das Gestrick beim Tragen etwas aushängen kann. Neben der reinen Knitting for Olive Pure Silk finden sich Seidenanteile beispielsweise auch in Lang Yarns Classic Silk und Sandnes Alpakka Silke. Während die Merinowolle in der Classic Silk für mehr Elastizität und Formstabilität sorgt, unterstreicht das Baby Alpaka der Alpakka Silke den weichen, glatten und geschmeidig fallenden Charakter des Garns.
Doch nicht nur Pflanzenfasern und Seide eignen sich für die warme Jahreszeit. Tierische Fasern können Feuchtigkeit aufnehmen, helfen die Körpertemperatur zu regulieren und nehmen Gerüche weniger schnell an. Fein und locker verstrickt kommen deshalb auch Mischgarne wie Knitting for Olive Cotton Merino und Sandnes Duo oder sogar die reine Cardiff Cashmere Classic für leichte Sommerdesigns infrage. Wie warm das fertige Kleidungsstück wird, hängt schliesslich nicht allein von der Faser, sondern ebenso von der Garnstärke und der Festigkeit des verstrickten Garnes ab.
Und auch abseits der bekannten Fasern gibt es immer wieder Alternativen zu entdecken: Lang Yarns Ananas enthält Fasern aus den Blättern der Ananaspflanze, während Lang Yarns Oceania recycelte Fasern mit SeaCell (Viskose) kombiniert. Sehr innovativ ist zudem das Lycra-Garn von Chamade. Lycra ist der Badehosenstoff, welchen es neu in Form von Contrepoint nun auch zum Vestricken gibt. Diese Garne zeigen, wie vielseitig die Auswahl an Sommergarnen inzwischen geworden ist.
Sommerstrick richtig pflegen
Sommerliche Strickstücke werden direkt auf der Haut getragen und kommen dadurch häufiger mit Schweiss, Deodorant oder Sonnencreme in Berührung. Besonders Baumwolle nimmt Feuchtigkeit gut auf, kann dadurch aber auch Gerüche stärker festhalten als tierische Fasern. Wolle und Kaschmir müssen in der Regel seltener gewaschen werden. Häufig genügt es, das Kleidungsstück gut auszulüften.
Für eine möglichst faserschonende Reinigung lohnt es sich, ein auf das jeweilige Material abgestimmtes Waschmittel zu verwenden. Lang Yarns Tenemoll eignet sich für Wolle, Kaschmir, Alpaka und andere feine Wollfasern, Lang Yarns Texbio für Baumwolle und Leinen und Lang Yarns Tenestar für reine Seide und Seidenmischungen.
Viele gestrickte Tops und Shirts aus Baumwolle können im Schonwaschgang bei niedriger Temperatur in der Waschmaschine gewaschen werden, sofern die Pflegehinweise des Garns dies erlauben. Ein Wäschesack schützt das Maschenbild zusätzlich vor Reibung und Verziehen. Da Baumwolle im nassen Zustand schwer werden und sich ausdehnen kann, sollte das Strickstück anschliessend vorsichtig in Form gezogen und liegend getrocknet werden. Seide wird je nach Garn von Hand oder im dafür vorgesehenen Schonprogramm gewaschen. Dabei sollte sie weder gerieben noch ausgewrungen und ebenfalls liegend sowie vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt getrocknet werden.
Bei Deoflecken auf heller, unempfindlicher Baumwolle kann eine Paste aus Backpulver und Wasser helfen, die vor dem Waschen kurz einwirken darf. Bei farbigen Garnen sollte die Paste zuerst an einer unauffälligen Stelle getestet werden; für empfindliche Fasern wie Wolle, Kaschmir und Seide ist diese Methode nicht geeignet.
Auch Make-up-Flecken sollten möglichst schnell behandelt und vorsichtig abgetupft statt verrieben werden. Bei farbechter Baumwolle oder Leinen können einige Tropfen Texbio direkt auf den Fleck gegeben werden und vor der Wäsche etwa zehn Minuten einwirken. Bei bereits mehrfach gewaschener, farbechter Seide kann Tenestar vorsichtig aufgetupft und nach etwa 15 Minuten ausgewaschen werden. Testet die Behandlung im Zweifelsfall zuerst an einer unauffälligen Stelle und verzichtet bei Seide auf starkes Reiben, heisses Wasser oder aggressive Fleckenmittel.
Da sich vor allem Baumwolle, Leinen und Seide beim Waschen und Tragen verändern können, ist eine gewaschene Maschenprobe bei sommerlichen Kleidungsstücken besonders wichtig. So lässt sich bereits vor dem Anschlagen erkennen, ob das Gestrick weicher wird, sich weitet oder in der Länge aushängt. Deshalb die Maschenprobe immer vor und nach dem Waschen ausmessen! 🙂
Sommerprojekte abseits von Nadelstärke 2.5 mm
Wer bei Sommerstrick automatisch an hauchdünne Garne und superdünne Nadeln denkt, darf aufatmen: Auch mit etwas dickeren Garnen lassen sich luftige Projekte für die warme Jahreszeit umsetzen. Offene Strukturen, Lochmuster oder locker geschnittene Designs sorgen dafür, dass das fertige Strickstück leicht und angenehm zu tragen bleibt.
Ganz schön luftig sind z.B. diese Lochmuster-Designs und sorgen für die nötige Luftzirkulation im Hochsommer unabhängig von der gewählten Faser:
Aber auch durch die grossen Maschen der 7 bzw. 8 mm Nadeln von Witre Design oder Lotilda zieht schön Luft durch:
Neben klassischen Tops und T-Shirts wie dem Sabai Top von Paula_m, dem Seaside Tee von Coco Amour Knitwear, dem Summer Ella von LeKnit oder dem Ankers Sommerbluse von PetiteKnit gibt es noch viele weitere sommerliche Möglichkeiten.
Wie wäre es beispielsweise mit den verspielten Shimmy Shorts von Maya tinks, oder der langen Roselyn Pants von Sandnes Garn?
Oder dem Seashore Skirt von Kutovakika oder dem Sidewalk Dress Texture von Spektakelstrik?
Auch ein kleines Projekt wie das luftige Mesh Bandana oder das Holly Bandana von Paula_m lassen sich wunderbar in der Ferienzeit oder zwischendurch stricken.
Für Taschen, Hüte und andere formstabile Accessoires darf das Material etwas fester sein. Raffia-Garne sind leicht und eignen sich wunderbar für sommerliche Häkelprojekte wie unsere Milano Bag oder Lido Bag.
Tipps zur Verarbeitung von Raffia-Garn findet ihr in unserem neuen Blogbeitrag: Mit Raffia häkeln – Tipps & Tricks für DIY-Projekte mit dem Sommer-Trendgarn.
Eine weitere natürliche Alternative für Accessoires ist die neue Permin Julie aus 100 % Jute, aus der beispielsweise die Julie Bag oder die ebenfalls neue Como Bag von PetiteKnit gestrickt wird.
Das passende Sommergarn ist mehr als eine Maschenprobe
Eine passende Maschenprobe ist bei der Garnwahl wichtig, aber nicht der einzige entscheidende Faktor. Zwei Garne können auf dieselbe Maschenprobe kommen und sich im fertigen Strickstück trotzdem völlig unterschiedlich verhalten. Deshalb lohnt es sich, vor dem Anschlagen nicht nur auf die angegebene Garnstärke zu achten, sondern auch zu überlegen: Soll das Projekt weich und fliessend fallen, benötigt es Elastizität und Formstabilität oder darf es eine feste, griffige Struktur erhalten?
Ob klassische Baumwolle, kühlendes Leinen, fliessende Seide, feines Kaschmir oder eine ungewöhnliche Faser wie Ananas: Die Auswahl an sommerlichen Garnen ist vielseitiger, als man zunächst vermuten würde. Eine gewaschene Maschenprobe zeigt euch nicht nur, ob Maschen- und Reihenzahl stimmen, sondern auch, wie sich das Garn nach dem Waschen anfühlt, ob es sich weitet und welchen Fall das fertige Strickprojekt entwickelt. So findet ihr eine Qualität, die nicht nur rechnerisch, sondern auch in ihren Eigenschaften zu eurem Sommerprojekt passt.
Welches Sommerprojekt möchtet ihr als Nächstes anschlagen? Wir wünschen euch viel Freude bei eurem nächsten Sommerprojekt! 🙂
