Spätestens seit der Publikation des Dot Top von p1.zip ist das Schattenstricken wieder in aller Munde. Diese Technik, die in den 80er Jahren das erste Mal in Strickzeitschriften aufgetaucht ist, kreiert mit rechten und linken Maschen sowie Farbwechseln ein Motiv, welches nur aus einem bestimmten Winkel sichtbar ist. In diesem Blogbeitrag gehen wir auf die häufigsten Fehler ein und zeigen, wie du sie vermeiden kannst. Hier setzen wir voraus, dass du die Technik des Schattenstrickens bereits beherrschst. Falls du diese erlernen möchtest, dann legen wir dir unseren Online-Workshop ans Herz.
Fehler 1: zu wenig Kontraste
Das Muster kommt bei starken Kontrasten am besten zur Geltung. Sind die Farben zu ähnlich, ist das Muster oft nur schwer erkennbar.
Tipp: Wähle den Schwarz-Weiss Filter auf deinem Smartphone und überprüfe so, ob die Kontraste stark genug sind.


Fehler 2: zu wenig Rand
Damit das Motiv zur Geltung kommt, muss es sich vom Rest des Gestrickten abheben können. Wenn diese umliegende Fläche fehlt, kann es sich gar nicht abheben. Es braucht folglich genügend Fläche in der Grundfarbe. Stricke also immer zuerst ein paar Reihen ohne Motiv und plane genügend Maschen am Rand ein, bevor das Motiv startet.
Fehler 3: Wiederholung vergessen
Dieser Fehler tritt typischerweise auf, wenn man anfängt eigene Motive zu zeichnen. Denn schnell ist man verleitet einfach ein Foto abzuzeichnen und eins zu eins auf ein Häuschenpapier zu übertragen oder beispielsweise im Excel zu zeichnen – vergisst dann aber, dass man jede Motivreihe sowohl in der Hauptfarbe als auch in der Kontrastfarbe stricken muss. Wir haben hierzu ein kleines Tool entwickelt, bei welchem diese Wiederholungen automatisch generiert werden.
Lade dir hier unser Shadow Knitting Generator Tool herunter.
Fehler 4: Falscher Blickwinkel
Das Motiv ist nur aus einem bestimmten Blickwinkel sichtbar. Deshalb sollte das Strickstück so gearbeitet und verwendet werden, dass dieser Winkel beim Tragen möglichst häufig entsteht. Zwar lässt sich das Muster theoretisch auch in Runden stricken, für einen Top-down-Pullover eignet es sich jedoch nur bedingt: Das Motiv wäre dabei vor allem beim Blick von oben oder unten zu erkennen, was Perspektiven sind, die bei einem getragenen Pullover nur selten eingenommen werden. Besser geeignet sind daher Strickstücke, die von Seite zu Seite gearbeitet werden. Dazu zählen beispielsweise Tücher, während Schlauchschals weniger geeignet sind.
Fehler 5: Flauschiges Material
Die Motive kommen am besten zur Geltung, wenn das Maschenbild klar definiert ist. Flauschige Garne eignen sich weniger gut, denn ihre langen Fasern können sich überlagern, sodass die Konturen des Motivs verschwimmen. Wähle am besten ein glattes, gleichmässig verzwirntes Garn, das die Maschen deutlich erkennen lässt. Gut geeignet sind beispielsweise Baumwollgarne oder glatte Merinogarne.

Fehler 6: zu kleine Flächen
Für filigrane Details ist Schattenstricken nicht geeignet. Die Motive kommen erst ab einer bestimmten Breite zur Geltung. Bei Garnen in DK-Stärke sind das ca. 2 Maschen, bei Fingering-Garnen eher 3 – 4 Maschen. Von daher eignen sich fürs Schattensstricken vielmehr grossflächige Motive und weniger Silhouetten oder Motive mit viel Abstand dazwischen. Besonders gut zur Geltung kommen geometrische Formen, Schriftzüge oder auch riesige Motive wie Flügel.

Fehler 7: unterschiedliche Garnstärken
Auch unterschiedliche Garnstärken können den Effekt beeinträchtigen. Entweder fällt der Überraschungseffekt aus, weil das Motiv sich immer vom restlichen Teil abhebt, oder es wird vom restlichen Teil verdeckt. Also wähle für die Haupt- und Konstrastfarbe vorzugweise gleiche Garnstärken aus.
Fehler 8: zu locker stricken
Das Schattenstricken lebt davon, dass die linken Maschen etwas erhöht sind. Sind diese eng gestrickt, stehen sie noch mehr auf. Werden sie hingegen zu locker gestrickt, dann sind sie nicht mehr ganz so schön definiert. Im Vergleich zu den anderen Punkten auf dieser Liste, ist dieser hier nicht ganz so ausschlaggebend, kann aber noch der kleine feine Schlusschliff sein, um dein Illusion Knitting Strickstück noch besser wirken zu lassen. Bevorzuge also tendenziell kleinere Nadelstärken.

Fehler 9: Seitenverhältnis nicht beachten
Maschen sind in der Regel breiter als hoch. Aus diesem Grund lassen sich beim Zeichnen, die Motive nicht einfach so direkt übertragen. Für das regelmässige Kreuz in der Schweizer Flagge sah die Ursprungszeichnung in unserem Tool beispielsweise so aus (vgl. Bild). Würde das missachtet werden, läufst du die Gefahr, dass sich die Motive verziehen. Hier gibt es kein Patentrezept, viel eher ist es Trial and Error. Aber das Schöne an unserem Hobby ist ja, dass dies ohne Materialverlust jederzeit möglich ist.


Fehler gehören beim Schattenstricken ganz selbstverständlich zum Lernprozess dazu. Gerade am Anfang braucht es etwas Übung, um ein Gefühl für Kontraste, Maschenstruktur und die Wirkung des Motivs aus verschiedenen Blickwinkeln zu entwickeln. Lass dich deshalb nicht entmutigen, wenn der erste Entwurf noch nicht perfekt funktioniert. Oft reichen schon kleine Anpassungen – etwa breitere Linien, ein ruhigerer Hintergrund oder ein stärkerer Farbkontrast –, um den Illusionseffekt deutlich zu verbessern. Mit jeder Musterprobe wächst dein Verständnis für die Technik, und schon bald wirst du eigene Designs entwerfen können, die ihre versteckte Botschaft erst auf den zweiten Blick preisgeben. Genau das macht den besonderen Reiz des Schattenstrickens aus.
Happy usprobiere!
